Freya in SA

19Juli
2014

Babyalarm

Seit knapp zwei Monaten haben wir beim „Place of Safety“ eine zweite Housemum und das ist auch gut so. Denn nun haben wir dort zwei Babies und noch ein schwer behindertes Kind…also jede Menge Arbeit. Der einjährige A. übt sich schon fleißig im Stehen, ist aber zurzeit noch auf allen vieren unterwegs, dafür aber zu schnell um ihn immer im Auge behalten zu können. Gestern hat er mal wieder den Kompost entdeckt…   Unser bereits sieben Jahre alter CP Junge ist nicht einmal in der Lage selber zu essen. Wir über das Sitzen mit ihm und er kriecht ein wenig herum. Abgesehen vom Schreien kann er sich nicht verständigen, was die Pflege vor allem zu Beginn erschwerte. Cerebralparese ist eine Bewegungsstörung, die durch frühkindliche Gehirnschädigung entsteht. Meist kommt es dazu, durch Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft oder durch Sauerstoffmangel bei der Geburt. Deswegen gibt es hier relativ viele Fälle von Cerebralparese. Bei Isibani bietet eine Therapeutin einmal im Monat Beratung für die Eltern und zeigt ihnen Übungen. Unser Schützling fühlt sich nun offensichtlich wohl bei uns, wir hoffen aber, dass für ihn bald eine andere Lösung gefunden wird. Erst vor zwei Tagen ist dann ein erst drei Monate altes Baby zu uns gebracht worden, dessen Mutter schwer krank ist. Das kleine Albinomädchen ist zum Glück abgesehen von einem Hautausschlag sehr zufrieden.

Grade im letzten Monat mussten wir aber auch viel Abschied nehmen. Vier Kinder, die einem selbstverständlich ans Herz gewachsen sind, haben den „Place of Safety“ verlassen. Mir kommt es glatt so vor, als ob die Kinder den Abschied leichter verkraften als wir Erwachsenen. Wir versuchen die Kinder immer darauf vorzubereiten und wollen, dass sie verstehen, wieso sie bei uns sind und dass es sich nicht um eine dauerhafte Lösung handelt. Die Sozialarbeiter entscheiden aber leider meistens sehr spontan, wann sie ein Kind wieder mitnehmen. Viele Kinder sind über Monate hier, in der Zeit entsteht dein Familiengefühl, sie nennen die Housemums Oma und Anne und mich Mama oder Tante. Ich sehe, wie toll sich die meisten entwickeln und habe jeden Tag mit ihnen zu tun, da fällt so ein Abschied nicht leicht. Mir graut schon etwas vor meinem eigenen…

29Juni
2014

Kultur pur

Anne und ich hatten mal wieder die Gelegenheit die Zulukultur zu erleben. In dem Dorf Amaswazi ca. 60km außerhalb von Winterton wurde der 21. Geburtstag von Imbali gefeiert. Die Veranstaltung ging schon eine Woche lang und eine Arbeitskollegin von Isibani hatte Anne und mich für den Sonntag eingeladen. Mit dem vollendeten 21. Lebensjahr wurde das jungfräuliche Mädchen als erwachsen erklärt. Während sie die Woche über lediglich in eine Decke gehüllt in einer Hütte ausharren musste, traf sich draußen das ganze Dorf. Es wurde gesungen, getanzt, getrunken und gegessen, alles traditionstreu. Für einen Tag Teil dessen zu sein, war ein tolles Erlebnis!

Auf Holzfeuer wird für das ganze Dorf gekocht in der Küche treffen sich die jungen Frauen  Maisbier, man mixe Mais und Wasser und warte bis es alkohol enthält die Männer sitzen draußen die Gogos (Omas) sitzen in der Hütte im Hintergrund befinden sich die Opfergaben für die Vorfahren Tänzertracht traditionelle Kriegerkleidung Chor und Tänzer Das Geburtstagskind muss in der Hütte bleiben Untertauchen geht nicht, als Weißer ist man Ehrengast Ich als Jury für die Tänzer

07April
2014

Besuch aus Deutschland

 Auf gehts!                   

Die erste gemeinsame freie Woche verbrachten Frithjof und ich quasi direkt vor der Haustür in den Drakensbergen. Abgesehen von dem ersten Wochenende in einem Backpacker, von dem aus wir einen Tagesausflug nach Lesotho, einem kleinen Königreich inmitten von Südafrika, gebucht hatten, campten wir in unterschiedlichen Naturreservoirs der Berge. Von dort unternahmen wir auf eigene Faust Tageswanderungen und nutzten auch das Angebot, die Natur vom Rücken der Pferde zu erleben.

In Lesotho bekamen wir eine kleine Schule gezeigt, die das Backpacker durch unsere Tour finanziert, dann ging es auf eine kleine Wanderung zu den Überbleibseln der San Zeichnungen, im Allgemeinen unter Buschmänner bekannt. Außerdem wurde in einer kleinen Rundhütte Maisbier angeboten, dass in einem großen Becher herumgereicht wurde. Abgesehen von den kleinen Krümeln darin erinnerte es mich an Federweißer. Schließlich besuchten wir noch eine Sangoma, eine traditionelle Heilerin.

Auf dem Weg nach LesothoLesotho, das höchste Land der Welt (tiefste Stelle 1000m) und das drittärmste...ein Reise ins Mittelalter Wer entdeckt das Eland? So wohnen die Basotho Die Sangoma, traditionelle Heilerin, entsprechende Kräutermischungen und Rituale veraten ihre verstorbenen Vorfahren

Wir begegneten wenig Menschen auf unseren Wanderungen, dafür aber Paviane, Elands und riesige Geier. Auch auf unserem Reitausflug waren wir mit unserem Guide allein. Dieser Fragte uns zu Beginn, ob wir erfahren seien…als wir beide fleißig nickten, verbrachten wir die folgenden 1½ Stunden, abgesehen von einer kurzen Pause, galoppierend. Frithjofs Beine, die nur in einer kurzen Hose steckten, waren anschließend eine einzige Fleischwunde…dennoch befanden wir, dass es das wert gewesen war.

hüpscher Kampingplatz Im Tugela Tal (im Tal des drittgrößten Wasserfalls der Welt) Klettern für die Aussicht lohnt es sich immer. (Amphitheatre im Hintergrund) Mittagspause Wasserfälle im Überfluss Wie mache ich mich als Frithjof fühlt sich wohl im Hobbit Land Und schließlich der 3tausender der beste Moment...wenn man oben ist ;)

Unsere letzte Wanderung in Injisuthi wurde zu einem besonderen Erlebnis…die Wege waren nicht sehr gut zu erkennen und dann führte unser Weg durch ein Flussbett, wo wir lediglich alle 200 Meter einen Steinchenhaufen fanden, der uns den Weg zeigte. Das Ende vom Lied war, dass wir uns verliefen und durch Dornen und Schnittgraß liefen. Erst nachdem wir den Berg zu unserer Rechten ohne Weg hochgeklettert waren, merkten wir, dass dort gar kein Weg war, so wie in unserer Wanderkarte eingezeichnet…wir machten uns also auf den Rückweg. Um fünf Uhr fingen wir an zu laufen, weil es zunehmend dunkler wurde und noch ein gutes Stück Weg vor uns lag…gut, dass unsere Handys, die natürlich keinen Empfang hatten, zumindest Taschenlampen integriert haben. Als wir im Stockdustern durch einen Fluss mussten, nahm Frithjof allerdings vorsichtshalber den Autoschlüssel zwischen die Zähne. Wir waren heilfroh, als wir um halb sieben, nach 11 Stunden Wandern, zu unserem Camp zurückgefunden hatten…nachdem wir das Zelt abgebaut und uns auf den Heimweg gemacht hatten, stellten wir allerdings fest, dass die Tore des Parks geschlossen waren und so verlängerten wir unseren Aufenthalt zwangsläufig um eine Nacht… Im Nachhinein stellten wir fest, dass wir in der falschen Schlucht gelaufen waren. Der Steinchenhaufenweg, dem wir gefolgt waren, ist auf der Wanderkarte als rote Strichellinie, unter erhöhtem Schwierigkeitsgrad und wenig bewandert, eingezeichnet.

Wer würde hier nicht vom Weg abkommen? Badespaß in eiskalten, klaren Bergflüssen. Die dienen gleichzeitig als Trinkwasser

04April
2014

Holiday Club

Wie schon im Dezember haben wir auch nun im April über die erste Woche Der Schulferien bei Isibani einen Holiday Club veranstaltet. Aus Khethani haben nur sehr wenige Kinder die Möglichkeit etwas Besonderes in den Ferien zu erleben und sind stattdessen alleine zu Hause oder hängen auf der Straße rum. Das für ein paar Tage zu verändern haben sich unsere Vorvorfreiwillen zum Ziel gesetzt und nun sind Anne und ich an der Reihe. Die Kinder sind von morgens um 9 bis nachmittags um 3 bei uns. Wir suchen zunächst Helfer, die eine Kleingruppe leiten oder eine Aktivität anbieten. Das gestaltet sich etwas schwierig, weil die Leute leider unzuverlässig sind und in „Afrikan time“ erscheinen…Verlass ist zum Glück auf das Isibani Team, zu dem vor kurzem zwei junge, gut motivierte Frauen zugestoßen sind. Außerdem hatten wir Unterstützung von Frithjof, der am 29. frisch aus Deutschland importiert wurden war. So konnten wir schließlich ein paar schöne Aktivitäten: Jonglieren, Zulu Dance, Basteln und Spiele anbieten. Außerdem organisierten Anne und ich Frühstück und Mittagessen für die bis zu 150 Kids, erfragten also Spenden und stellten ein Küchenteam zusammen. Am letzten Tag wurde bei einer Party das Erlernte vorgestellt und kleine Präsenttüten ausgegeben.

     Hier entstehen Masken Jonglieren mit FrithjofEssensausgabeDie HelferParty mit 150 Kindern +

05Januar
2014

Holidays

 

Unseren ersten Urlaub in Südafrika beschlossen Anne und ich am Meer zu verbringen. Zu unserem großen Vorteil stand Anne über einige Ecken in Kontakt zu einer Deutschen, die aber seit einigen Jahren an der South Coast in Port Shepstone wohnt. Diese hatte uns ihr Haus zur Verfügung gestellt, während sie selber in den Ferien war. So hatten wir eine sehr luxuriöse Unterkunft mit  Pool und Meerblick, die wir uns lediglich mit einer 82 Jährigen teilten. Die 82 Jährige kümmerte sich mit Hingabe um die beiden Hauskatzen und bot uns gleich an, sie  „Gran“ (Oma) zu nennen. Außerdem kamen wir über sie in Kontakt zu ein paar jungen Leuten (ihre Enkel).

mit Poolunsere traumhafte Unterkunft

Zunächst dachten wir, wir würden mit dem Bus nach Port Shepstone fahren, doch da zum einen die Verbindungen ungünstig sind und dann auch die Preise nicht allzu günstig, schauten wir uns nach Mietwagen um. Tatsächlich konnten wir dann für umgerechnet lediglich 130€ über die 10 Tage ein Auto mieten, so waren wir dann auch vor Ort mobil. Als wir unser Auto abholten, waren wir dann aber doch ziemlich nervös, zumal ich doch länger nicht gefahren war und dann noch alles auf der anderen Seite ist. Als erstes würgte ich also das Auto ab und setzte dann beim Verlassen des Parkplatzes auf dem hohen Bordstein auf…nach einer ¾ Stunde, ich fühlte mich gerade ganz wohl am Steuer, kamen wir an eine Unfallstelle. Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei waren aber schon da, sodass wir schließlich nach einer Stunde weiter fahren konnten. Das sollte es aber, abgesehen von der unmöglichen Fahrweise einiger Verkehrsteilnehmer, zum Glück gewesen sein. Wir waren super glücklich mit dem Auto und fühlten uns ziemlich erwachsen. Als wir nach Durban reinfuhren und den Indischen Ozean erblickten, legten wir „Bona Vista Social Club“ ein und staunten, wie sehr sich das Landschaftsbild von dem in Winterton unterschied: Palmen, Bananenbäume und jede Menge Blumen.

Wir nutzten zwar auch die Vorzüge der Stadt (Shoppingcenter und Kino), verbrachten aber die meiste Zeit am Strand. Auf ausgiebigen Spaziergängen erkundeten wir unseren Küstenabschnitt und versuchten uns in den Wellen zu behaupten. Letzteres war aber schließlich nahezu unmöglich, weil es windig war und die Wellen somit riesig. Als ich an einem Tag dreimal von einer Welle in Purzelbäumen auf den Strand gespült wurde, schwammen wir schließlich lieber im Pool. Silvester verbrachten wir am Lagerfeuer in Port Edward, wo befreundete Freiwillige vom ELM ein Jugendkamp veranstalteten. Zu Mitternacht traf sich alles am Strand, über das Meer flogen Chinalichter. Zudem ist der Strand dort sehr schon, es wird nicht zu schnell tief und der Sand ist ganz fein. Das, die Tatsache, die anderen Freiwilligen zu treffen und dass wir das Auto zur Verfügung hatten, veranlasste uns dazu, noch einen zweiten Tag dorthin zu fahren. Von den Ozeanbewohnern bekamen wir leider wenige zu sehen. Uns wurde zwar jede Menge von Walen, Haien und Delfinen berichtet, aber wir entdeckten bloß Krebse und jede Menge Hummerschalen. Der Urlaub war natürlich viel zu schnell um. Es bleiben aber zum Glück reichlich Fotos, der Bikiniabdruck und ein paar neue Kontakte.

Sonnenaufgang nach 4 Stunden Schlaf... Da ist sie! frohes neues Jahr! ohne Auto wirds wieder schwer

18Dezember
2013

Howik

Am letzten Wochenende hatten Anne und ich mal wieder die Möglichkeit, unser Gastland etwas besser kennenzulernen. Ein Freund meines Vaters hatte uns zu sich nach Howik eingeladen. Als er und seine Kinder uns am Samstagmorgen abholten, fuhren wir aber zunächst zu seinem Geburtsort, Muden. Nach der Abschaffung der Apartheit hatten  Schwarze die Höfe der Weißen übernommen, die Regierung kaufte den Weißen ihren Besitz ab, um ihn gerechter zu verteilen. Das Resultat sind allerdings häufig unproduktive, heruntergewirtschaftete Betriebe. So auch der Hof, auf dem Robert großgeworden war: Ein verrosteter Traktor stand auf der kaum befahrbaren Auffahrt, ein Stall war zur offenen Feuerstelle umfunktioniert, der Strom war abgekappt (vermutlich zu teuer) und von den Gebäuden blätterte die Farbe. Die Menschen waren aber sehr freundlich und ließen uns gerne einen Blick auf ihren Hof werfen, als Robert ihnen auf Zulu erzählte, dass er hier großgeworden sei. Wer auf dem Land groß wird und mit den Kindern der Arbeiter spielt, lernt automatisch Zulu…beneidenswert! Anschließend zeigte uns Robert den Ort, an dem Ludwig Harms, der Gründer der Hermannsburger Mission (also meiner Entsendeorganisation) mit seinen Leuten gelandet war. Den Ort hatten sie Hermannsburg  getauft…Es scheint hier das gängige Model gewesen zu sein, dass Siedler aus Deutschland, ihrer neuen Heimat den selben Namen wie ihrer alten gegeben haben (Marburg, Hannover, Heidelberg,…)

unverhoffterweise immer auf Safari :), als wir dieses Camäleon anschließend auf einem Baum ausgesetzt haben, hat es tatsächlich dunkelgrüne Punkte bekommenAlles, was zu viele Beine hat, ist hier größer...

Am nächsten Tag bekamen wir etwas von Howik gezeigt. Zunächst liefen wir über einen kleinen Handarbeitsmarkt, auf dem Schmuck, Perlenkunst und Schnitzerei verkauft wurde. Diese Dinge kommen in der Regel aus Simbabwe. Dann sind wir zum Howik Falls gelaufen, wo man kaum noch glauben konnte, in einer Stadt zu sein. Schließlich sahen wir uns das „Mandela Capture Side“ Denkmal an, also den Ort, wo er 1962 verhaftet wurde, um 27 Jahre auf Robben Iland gefangen zu sein. Den Tag von Mandelas Beerdigung nahmen ganz offensichtlich viele zum Anlass das gleiche zu tun…Dort gibt es abgesehen von dem beeindruckenden Kunstwerk noch eine ganz gelungene Ausstellung zu Mandelas Werdegang.

Howik FallsHier wurde Mandela 1962 gefangen genommen, am Tag seiner Beerdigung, zeigen sich viele betroffen.Blumen für Madiba

Der Rückweg führte vor allem durch Zuckerrohrfelder, da haben Anne und ich es uns nicht nehmen lassen, mal zu kosten ;)

yummy Zuckerrohr    

09November
2013

Badespaß

 

Bei den nun schon über 80 Tagen, die ich in Südafrika bin, waren einige wirklich sehr schöne dabei. Das dieser Tag, den ich mit den Kindern vom "Place of Safety" am und im Spioenkopdamm verbracht habe, noch übertroffen wird, waage ich allerdings zu bezweifeln.

Die ganze Woche über war es schon über 30°C heiß, sodass ich so etwas wie unsere liebgewordene Ostsee ernsthaft vermisst habe. So war es auch heute brütent heiß und der Himmel strahlen blau. Am Tag zuvor hatten Anne und ich den Charity shop auf den Kopf gestellt, um Badekleidung für die Kinder zusammen zu suchen....Mit Erfolg: Am Nachmittag lief die ganze Bande in bunt zusammengestellten Bikinis oder Badeshorts durch Haus und Garten und präsentierte sich stolz Hausmama Zama. Abends stand dann ein riesen Berg Gepäck im Vorraum, oben auf drei große Schüsseln frischgepopptes Popcorn.

Sofi hatte einen Bus organisiert, in dem sämmtliche Kinderzululieder zum Besten gegeben wurden, wärend wir durch das Gamereserve rollten. Ein paar Tiere (Zebras ,Giraffen, Kudus, Impalas) liefen uns auch über den Weg, beim Rückweg sogar ein riesen Nashorn, aber die Hauptattraktion war das Wasser. Keines der Kinder kann schwimmen, was meinen Job zwischenzeitlich etwas unentspannt machte...was die Freude der Kinds am Wasser aber um das Vielfache wett machte. Ich selber freute mich auch riesig, das erste Mal seit 3 Monaten wieder zu schwimmen. Auf dem Rückweg schliefen alle Kinder und waren an diesem Tag sicher nicht mehr schwer zu bändigen ;)

 

 

27Oktober
2013

Die Regenzeit hat begonnen

 

Im gleichen Maße wie es euren Berichten nach in Deutschland immer grauer und blattloser wird, begeistert uns Südafrika mittlerweile durch ein kräftiges Grün. In der vergangenen Woche hat es fast jeden Tag geregnet, oder besser gesagt gewittert. Meist kündigt sich der Regen durch einen plötzlich einsetzenden, kalten Wind an. Der Wind kann hier zum Teil richtig heftig sein, sodass man sich vor dem Staub schützen muss, wenn man den nicht in den Augen haben will. Außerdem kündigen fliegende Termiten den Regen an, die zu hunderten im Licht rumschwirren. Innerhalb von ein paar Stunden verlieren sie dann ihre Flügel und krabbeln ungeschickt auf dem Boden rum. Meine Theorie, warum die Europäer keine Insekten essen, ist, dass wir nicht so viele, geschweige denn so große haben. Auch die Anzahl der Spinnen im Haus nimmt bedrohlich zu    

Der Frühling bringt hier also positive, sowie negative Aspekte mit sich. Der schönste ist ein lila blühender Baum vor unserem Haus. Was sind schon Orangenbaumblätter gegen lila Blüten auf dem Weg?

Premiere: Pfützen, ich fühle mich wie zu Hausedas erste Hilfspaket: Danke MamaWelches ist unser Garten?Unser lila Baum

 

10Oktober
2013

Team Day

 

 

Wir sind bei Isibani auf eine gute Zusammenarbeit im Team angewiesen, weil viele Projekte parallel laufen und abgesprochen werden muss, wer wo hilft und wofür zuständig ist. Wenn ein Klient mit speziellen Bedürfnissen kommt, muss jeder seine Fähigkeiten und sein Wissen zur Verfügung stellen, was auch wieder abgesprochen werden muss. Morgens haben wir also ein kurzes Meeting, bei dem geklärt wird, was an dem jeweiligen Tag ansteht. Außerdem werden gemeinsam ein bis zwei Lieder gesungen und gebetet. Am Freitag setzten wir uns dann nachmittags, wenn meist eh nicht mehr viel los ist, zu einem längeren Treffen zusammen. Das kann auch mal zwei Stunden lang dauern, zum  einen, weil in der Regel alles auf Zulu und Englisch übersetzt wird, zum anderen, weil die Zulus sich nicht sehr direkt ausdrücken. Stattdessen werden Geschichten zur Erläuterung erzählt oder Kritik sehr umständlich angebracht, ohne die entsprechende Person zu erwähnen.

Um die Zusammenarbeit zu verbessern und über Probleme im Team zu sprechen haben wir einen Team Day bei unserer Chefin Sofi veranstaltet.

an der langen Tafel bei SofiJungsseiteUmsetzung folgt...Teamspiel: Die Schipsel sollten von den Einzelnen gemalt werden

06Oktober
2013

Experiment Großstadt

 

Unter diesem Kapitel gibt es in meinem Tagebuch bereits einen 23-seitigen Eintrag. Ich will aber schließlich auch noch was zu erzählen haben, wenn ich zurückkomme. Also versuche ich es mit einer Kurzfassung und leider viel zu wenig Bildern. Der Grund für unser Wochenendtrip nach Johannesburg oder vielleicht eher der Auslöser war ein Galadinner, dass zwei Freiwillige in Soweto zur Finanzierung des Projekts „Ev. Lutheran Diaconia Aids Ministry“ organisiert haben. Anne und ich durften den Freitag frei nehmen und hatten so die Möglichkeit zunächst Freiwillige in Johannesburg zu besuchen, die dort an der Uni im Projekt „Drama for live“ mitarbeiten. Nach etwas hin und her entschieden wir uns dafür mit dem „Taxi“ dorthin zu fahren. Womit wir einen Glücksgriff landeten, denn wir fanden uns in einem recht komfortablen Mercedes Kleinbus wieder, in dem man sich halt bloß nicht anschnallen konnte (Schnee von gestern). Neben mir saß eine recht gesprächige Mutter, die ihr Kind die ganzen 4 Stunden auf dem Schoß sitzen hatte, denn schließlich musste sie so nur einen Sitzplatz bezahlen. Für unsere Verhältnisse war die Reise günstig, umgerechnet bezahlten wir pro Person 30€ hin und zurück. Aber unser Taschen-und Verpflegungsgeld von 200€ ist auch mehr als die meisten Großfamilien hier zur Verfügung haben. Die meisten Reisenden wollten Familienmitglieder besuchen, die häufig auf der Suche nach Arbeit in die Großstädte ziehen. Der Familienzusammenhalt der Zulus ist beeindruckend und die Familien sind groß. Wenn beispielsweise ein Cousin arbeitslos ist, dann versorge ich seine Familie selbstverständlich mit meinem Einkommen mit. So ist alles eher Familien- als Privatbesitz. Das ist, in Anbetracht der Tatsache, dass es keine Versicherungen gibt, Gold wert. Auf der Fahrt wurde unsere sehenswerte Berglandschaft zunehmend flach, trockener und langweilig, und Celine Dion zunehmend unerträglicher…das die Busfahrer auch alle solche Schnulznasen sein müssen und dann alle Passagiere in einer Lautstärke beschallen, dass man sich kaum noch unterhalten kann. Beim Aussteigen marschierten wir gleich in die Richtung, die der Fahrer uns auf die Frage nach der Nelson Mandela Bridge zeigte, denn das Taxirank ist nicht der Ort, an dem man lange orientierungslos an einer Stelle rumstehen sollte. Leider entpuppte sich die Brücke, auf der wir landeten nicht als die Richtige. Bis wir dann die anderen Freiwilligen fanden, hatten wir also schon eine ganze Menge von der Stadt gesehen und waren bei 30°C und mit Gepäck völlig durchgeschwitzt. Der erste Eindruck führte dazu, dass wir uns wie die totalen Landeier fühlten: Menschenmassen, in denen sich sämtliche Nationalitäten und Sprachen wiederfanden, dazwischen viele die sich wie lebensmüde durch den Verkehr quetschten, hupende Taxen, Gepäckträger, Müllberge und der Gestank nach Pisse. Wir merkten schnell, dass wir etwas von unserer bisherigen Überlebensstrategie absehen müssten, um überhaupt irgendwo anzukommen, denn rote Ampeln  wurden hier nicht besonders beachtet. Wir konzentrierten uns also darauf, in die richtige Richtung zu gucken und stürzten uns dann auch in den Verkehr. Okay, das ist eher nicht die Kurzfassung… Wir fanden dann schließlich unsere Leute und brachten unser Gepäck in deren WG, bevor es weiter zu einem Konzert im Herzen von Johannesburg ging. Der Platz war umgeben von Hochhäusern, auf einem leuchtete wechselnde Coca Cola Werbung, über uns spannte sich die Autobahn, hinter der pünktlich um halb 7 die Sonne unterging. Zunächst kam es mir, nicht nur stilistisch, sondern vor allem wegen der Temperaturen komisch vor, meinen Wollpulli dabei zu haben. Das stellte sich aber bald als sehr schlaue Entscheidung heraus, da es hier nachts so kalt, wie tagsüber warm wird. Wir bekamen 4 Bands plus Vorband geboten.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einer 13-köpfigen Truppe an Freiwilligen nach Soweto. Ein Taxi voller Weiße musste ausgesehen haben, wie eine neue Touriattraktion. Die Taxen sind eher das Verkehrsmittel der Schwarzen. Die Leute freuen sich aber, wenn wir diese auch benutzen und zeigen sich immer hilfsbereit. Das schönste an dem Galadinner war nicht das essen und auch nicht das Programm (schwer verständliche Reden, Playbackgesang, Modenschau, Tanz), sondern die anderen Freiwilligen wiederzusehen und Erfahrungen auszutauschen. Ich stellte fest, dass nicht alle so viel Glück mit ihren Projektstellen haben, einige haben wenig zu tun oder eher einfältigere Aufgaben. Aber unterm Strich gab es auch viel anderes Interessantes und es wurde von ähnlichen Schwierigkeiten berichtet. Nach dem Dinner bekamen wir eine kleine Tanzstunde, das haben die Afrikaner einfach drauf. Selbst die Kleinen haben schon so ein gutes Rhythmusgefühl.

Die Rückfahrt war ein einziger Saunagang, bei 30°C, ohne Klimaanlage und selten geöffneten Fenstern. Dieses Mal fuhren wir eine andere Strecke über Bergville, vorbei am Sterkfonteindam, was sich als eine sehr schöne Route durch die Berge mit Blick aufs Wasser erwies. Die „Straße“ auf der wir fuhren hatte die Bezeichnung aber eher nicht verdient…die eine Seite war aufgerissen wurden und eine einzige Schotterpiste, auf der lediglich Geländewagen fahren konnten. Unsere Seite war von derartig vielen und großen Schlaglöchern gekennzeichnet, dass wir nur im Zick Zack und Stop and Go unterwegs waren…ich beschwere mich nie wieder über deutsche Straßen ;). Aber die Aussicht war es wert! Nach einer 7 Stunden Reise waren wir zurück in unserem kleinen Winterton und auch irgendwie ganz froh, nicht immer den Großstadtrummel zu haben…

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